Retro vor ungewisser Zukunft

Die Nostalgic-Art Merchandising GmbH vertreibt erfolgreich Blechschilder. Nun aber bangt sie um ihren Standort.
von Holger Lunau

Seit 30 Jahren produziert die in Berlin-Reinickendorf ansässige Nostalgic-Art Merchandising GmbH Retro-Blechschilder. Zu den Kunden in aller Welt zählen unter anderem namhafte Firmen aus der Automobilindustrie, Biker-Firmen, Getränkehersteller, Handelsunternehmen und Privatkunden. „Ich hätte nie gedacht, dass sich mit eigentlich überflüssigem Plunder ein solches Geschäft machen lässt“, erzählt mit einem Augenzwinkern Geschäftsführer Teja Engel. Das Portfolio von Nostalgic-Art, das mit einem Blechschilder-Hersteller in Nürnberg zusammenarbeitet, ist gefragt – und wie. Inzwischen sind am Standort auf dem Borsig-Gelände in Tegel 50 Beschäftigte tätig.
Da das Business gut läuft, hat das Unternehmen seinen Produktionsstandort in der denkmalgeschützten Kanonenhalle im Jahr 2009 gekauft und nach Angaben von Engel für mehrere Mio. Euro saniert sowie mit einer Solaranlage ausgerüstet. Dafür erhielt Nostalgic-Art 2010 den Bauherrenpreis des Bezirksamtes Reinickendorf und 2024 den ersten Preis im Wettbewerb „Denkmalgerechte Solarprojekte Berlin“ der Senatswirtschaftsverwaltung. Doch das zählt heute offenbar nichts mehr, wie Engel bedauert. Denn das Unternehmen fühle sich von den Aktivitäten der benachbarten German University in Cairo (GUC) in seiner Existenz gefährdet und von der Politik im Stich gelassen. Bisher seien alle Gesprächsversuche gescheitert, so Engel.

Zufahrtswege in Gefahr
Worum geht es? Die GUC in Berlin-Tegel ist seit 2012 Zweig-Campus der im Jahr 2003 in Kairo vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffneten privaten German University mit derzeit rund 10.000 Studierenden und einem Milliardär als Großsponsor. Von solchen Zahlen kann die Berliner Filiale nur träumen, denn das Uni-Gebäude wirkt seit Langem verwaist. Es gibt keinen nennenswerten Publikumsverkehr auf dem 8.400 Quadratmeter großen Gelände. Der Studienfinder weist für die Uni nur einen Studiengang aus, zur Anzahl der Studierenden werden keine Angaben gemacht. Dennoch will sich die GUC auf dem Borsig-Gelände ausdehnen und hat dafür offenbar grünes Licht vom Bezirk bekommen, ohne Rücksicht auf den Denkmalschutz und sein Unternehmen, wie Engel erklärt. Sollten die jetzigen Pläne umgesetzt werden, so könne die Kanonenhalle von Lieferfahrzeugen nicht mehr wie bisher erreicht werden. Ob Alternativen bestehen und wer die auf alle Fälle horrenden Umbaukosten zahle, stehe in den Sternen. „Für ein mittelständisches Unternehmen in einem Nischensegment wie unserem wäre es das Aus am Standort“, so Engel.
„Sollte es zu dieser Entwicklung kommen, erwägt das Unternehmen, den Geschäftssitz an einen alternativen Standort ins benachbarte Brandenburg zu verlegen“, betont der Nostalgic-Art-Geschäftsführer. „Wir hoffen aber noch immer auf eine vernünftige Lösung.“

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